Nähen mit Burdastyle-Schnittmustern

10 Tipps: Burda-Anleitungen perfekt verstehen

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Immer wieder lese ich bei anderen Hobbyschneidern von den schrecklichen Burdastyle-Schnittmustern mit den unverständlichen Anleitungen. Ich selbst nähe viel nach Burda, ehrlich gesagt gab es auch nichts anderes, als ich Mitte der Neunziger mit dem Nähen angefangen habe - und ich habe mit der Zeit gelernt, mit den Anleitungen umzugehen. Da bestimmt jede von euch ein paar Burda-Zeitschriften im Schrank hat und es echt schade wäre, diese dort vergammeln zu lassen, kommen hier meine ultimativen Tipps, die das Verstehen von Burdastyle-Schnittmustern auf jeden Fall einfacher machen!

I First things first: Schnittmuster abkopieren

Zugegeben: Der Burda-Schnittmusterbogen mit seinen gefühlt dreimillionen Linien sieht nicht gerade einladend aus. Aber wenn man mit System an die Sache heran geht, ist es nur noch halb so schlimm!

1. Die Schnittübersicht studieren! Jede Burdastyle-Anleitung beinhaltet eine Schnittübersicht, die sich immer unter den Angaben zu Zutaten und Stoffverbrauch befindet. Dort steht zum einen, wo genau ihr euer Schnittmuster findet, z.B.: Blauer Schnitt, Bogen A. Zum anderen seht ihr dort, wie viele Schnittteile zu eurem Schnittmuster gehören und welche Nummern diese haben (z.B. Schnittteile 1-4).

Ihr solltet die Schnittübersicht unbedingt vor euch liegen haben, wenn ihr den Schnitt abpaust. So könnt ihr immer nochmal nachsehen, welche Form eure Schnittteile haben (hilft bei der Orientierung auf dem Schnittmusterbogen). Außerdem sind bei Burda in der schematischen Übersicht der Schnittteile immer alle Markierungen für Abnäher, Ansatznähte und den Fadenlauf mit eingezeichnet. Ihr könnt also stets kontrollieren, ob ihr im Linienwirrwar eine Markierung übersehen habt und diese dann gezielt suchen und nachtragen.

2. Auf dem Schnittmusterbogen orientieren. So unübersichtlich der Bogen auch sein mag, ein paar Orientierungshilfen sind tatsächlich mit eingebaut. Beim Finden eurer Schnittteile helfen euch die Nummern am Rand des Bogens. Dort seht ihr schwarze, grüne, blaue und rote Zahlen. Ihr sucht nach den Nummern eurer Schnittteile (Wenn wir unser obiges Beispiel weiter führen wären es also die blauen Nummern 1 bis 4). Habt ihr am Rand des Bogens beispielsweise die blaue Zwei gefunden, fahrt ihr wie bei einem Diagramm mit dem Finger von genau dieser Zahl aus gerade in den Bogen hinein - ihr findet auf gleicher Höhe eine blaue Zwei, die den Rand eures Schnittteiles markiert, welches ihr damit gefunden habt. Mit den anderen Nummern geht ihr dann genauso vor.

Ausgenommen von diesem System sind nur die rosa hinterlegten Extra-Schnittmuster (eines pro Heft), die man aber aufgrund dieser Hintergrundfarbe ohnehin schnell findet.

Mit den sogenannten Suchnummern am Rand des Schnittmusterbogens...
...lassen sich die Schnittteile schnell finden.

 

II Burda-Schnittmuster zuschneiden

3. Schnittteile auf dem Stoff anordnen. In den älteren Burdas gibt es für jedes Schnittmuster einen Zuschneideplan, auf dem man sehen kann, wie man die Schnittteile auf dem Originalstoff anordnen sollte. In den neueren Burdas ist dieser Plan nicht mehr enthalten - das liegt wohl daran, dass die wenigsten Leute mit den Originalstoffen nähen und dass das Anordnen der Schnittteile je nach Stoffbreite und Stoffart unterschiedlich ist. Trotzdem müsst ihr natürlich darauf achten, dass ihr eure Schnittteile im Fadenlauf zuschneidet. Und ihr solltet auch unbedingt das Kapitel "Zuschneiden" in der Anleitung lesen, denn dort steht, welches Teil ihr wie oft zuschneiden müsst, welches Teil im Stoffbruch liegen muss und welche Teile mit Einlage (Vlieseline) verstärkt werden müssen.

4. Nahtzugabe aufzeichnen. Ganz wichtig: Burda-Schnittmuster enthalten eigentlich nie eine Nahtzugabe - Ausnahme sind meistens (aber, nicht immer) die vermassten Teile, also die rechteckigen Schnittteile, die ihr selbst auf den Stoff aufzeichnen müsst (ja, das ist etwas verwirrend!). Um sicher zu gehen, lest also immer den Abschnitt "Naht- und Saumzugaben"! Dort steht auch, wieviel Nahtzugabe an welcher Stelle empfohlen wird.

Ganz wichtig: Die Schnittübersicht

 

III Burda-Näh-Anleitungen verstehen

Viel Text, viele Fachwörter, wenige Bilder. Das macht Burda-Anleitungen nicht unbedingt attraktiv. So kommt ihr trotzdem damit zurecht:

5. Nicht von Abkürzungen abschrecken lassen: vord. Mitte, lt. Zuschneideplan, rückw. Hosenteil, angeschn. Schlitzbesatz – all diese Begriffe kommen in Burda-Anleitungen sehr häufig vor. Eigentlich wissen wir ja, was diese Abkürzungen bedeuten, rein psychologisch machen sie die Anleitung jedoch furchtbar kompliziert. Daher: Kühlen Kopf bewahren und alle Abkürzungen erst einmal aufschlüsseln, dann ist die Anleitung gleich viel einfacher!

6. Technische Begriffe notfalls googeln! Wenn ein Arbeitsschritt aus der Anleitung trotzdem noch verwirrend klingt: am besten erst einmal alle unklaren Begriffe googeln. Eigentlich ist es ja toll, dass Burda mit richtigen Schneidereibegriffen arbeitet, für uns Laien ist das aber nicht immer einfach zu verstehen. Was war jetzt nochmal ein Besatz? Eine Teilungsnaht? Oder ein Untertritt? Wenn man gerade kein entsprechendes Buch zur Hand hat, hilft das Internet meistens weiter.

7. Schritt für Schritt arbeiten und die Anleitung immer erst beim Nähen lesen: Manche Arbeitsschritte klingen auf den ersten Blick komplett abstrakt und unverständlich: Die beiden Teile für den Schlitzuntertritt rechts auf rechts aufeinandersteppen, die gerade Ansatzkante offen lassen. Wenn man sich aber mit dem Nähprojekt langsam vorarbeitet und das Kleidungsstück im entsprechenden Arbeitsschritt vor sich liegen hat, ist meistens viel schneller klar, was gemeint ist.

8. Eine Burda-Nähschule zu Rate ziehen! Ganz ehrlich, dieses ist wahrscheinlich der wichtigste Tipp von allen. Die Burda-Nähschule wurde mehrfach neu aufgelegt, eine ältere tut es aber auch! Ich habe Mitte der Neunziger Jahre mit Burda-Schnittmustern nähen gelernt und damals war die Nähschule (gibt es z.B. hier oder hier zu kaufen) meine absolut größte Stütze, sonst hätte ich vermutlich aufgegeben (vor allem, weil es noch kein Google oder Youtube gab!). Und meine Mutter hat mir auch wie selbstverständlich gleich zu Beginn meiner Nähkarriere diese Nähschule geschenkt, es war also scheinbar früher Usus, sie als Ergänzung zu Hause zu haben.

In der Nähschule werden alle Nähtechniken aus den Burda- Anleitungen detailliert und mit vielen Bildern erklärt, und zwar so, dass man sie als Erweiterung der Schnittmusteranleitungen verstehen kann. Es ist also die gleiche Herangehensweise ans Nähen, so dass man nicht durch andere Denkansätze oder Techniken verwirrt wird. In der Nähschule ist wirklich (fast) keine Nähtechnik ausgespart und im Stichwortverzeichnis kann man auch nochmal alle unklaren Näh-Begriffe nachschlagen, zu denen man dann eine Erklärung im Buch findet.

9. Arbeitsschritte, die sich auf die konkrete Stoffwahl beziehen, erkennen. Wieso muss ich Mantel XY im schrägen Fadenlauf zuschneiden? Oder bei Kleid XZ das Futterrockteil rechts auf links auf den Oberstoff legen, anstatt wie gewohnt links auf links? Wenn euch Arbeitsschritte seltsam vorkommen und von dem abweichen, was ihr gelernt habt, dann hängt das bei Burda meist damit zusammen, dass sich die Anleitung auf den Originalstoff bezieht. Dieser spezielle Leinenstoff fällt im schrägen Fadenlauf eben einfach besser. Und bei Kleid XZ ist der Oberstoff aus Organza (also transparent!), daher sollte der Futterrock eben rechts auf links eingenäht werden (also mit der schönen Seite nach außen und der Nahtseite nach Innen, damit keine hässliche Naht durchscheint). Ist logisch, oder?

10. Bestimmte Verarbeitungstechniken erkennen.

Ähnlich wie Verarbeitungschritte für bestimmte Stoffarten enthalten Burdastyle-Anleitungen auch Anleitungsschritte mit bestimmten Couture-Verarbeitungstechniken. Beispiel: Bei gefütterten Kleidern werden die Seitennähte manchmal vor gewissen Teilungsnähten geschlossen, damit am Ende keine einzige Futternaht im Inneren des Kleides zu sehen ist und das Kleid an allen Kanten perfekt mit dem Futter verstürzt ist. Wenn ihr euer Kleid anders verarbeitet – es beispielsweise gar nicht füttern wollt, sondern nur einen Besatz näht, dann hilft es, genau diese Arbeitsschritte zu erkennen und auszusparen oder abzuwandeln. Zugegeben: Dazu braucht man schon ein bisschen Näh-Erfahrung.

 

Dieser Beitrag ist verlinkt zu SewLaLa!

 

 

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