Auf Nähmaschinensuche

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Eine neue Nähmaschine zu kaufen, ist gar nicht so einfach. Ich habe mir viele Meinungen angehört, mir Testseiten im Internet durchgelesen und mich in zwei Geschäften beraten lassen. Schließlich habe ich eine Entscheidung getroffen. Mein Erfahrungsbericht:

„Wir gehen ja oft auf Messen und wir stellen immer wieder fest, dass Brother-Nähmaschinen einfach die besten sind“, sagte mir gleich zu Beginn der Inhaber des ersten Ladens, in dem ich mich beraten ließ. Ich war ein wenig baff über diese pauschale Feststellung, fühlte mich aber auch etwas zu unerfahren, um dem etwas entgegen zu setzen. Immerhin wurden in dem Laden auch Nähmaschinen der Marken Elna, Janome, und Juki vertrieben. Meine Fragen nach den Fähigkeiten dieser Nähmaschinen wurden aber mit Aussagen über das veraltete Design, die unmoderne Technik und die unkomfortablen Einfädelhilfen relativ schnell abgetan. Vielleicht hätte ich einfach noch mehr darauf bestehen sollen, dass mir wirklich eine Nähmaschinen jeder Marke vorgeführt würde - aber ehrlich gesagt, hatte ich so viel Zeit nun auch wieder nicht. Also begnügte ich mich erst einmal mit der Vorführung einer Brother-Nähmaschine – der INNOV-IS NV1800Q.

Nachdem ich die letzten Jahre auf einer weniger hochwertigen Privileg-Maschine genäht habe, die meine Eltern bei Quelle bestellt und mir vor fast 20 Jahren zu Weihnachten geschenkt hatten (ja, ich habe schon mit 13 Jahren das Nähen angefangen, habe aber zwischenzeitlich auch eine mehrjährige Nähpause eingelegt), erschien mir diese Brother-Maschine wie die Eröffnung einer neuen Näh-Dimension. Der Faden fädelt sich per Knopfdruck von allein ein, die Fadenspannung reguliert sich automatisch, das Nähfüßchen wird per Knopfdruck gesenkt. Und der normale Geradstich ist so konzipiert, dass der Faden gleich am Anfang automatisch mit Rückstichen vernäht wird – man muss also die Rückwärtstaste gar nicht betätigen. Die braucht man nur am Ende der Naht (was ich erst etwas verwirrend fand), dafür muss man im Anschluss nur noch das Nähfüßchen heben, per Knopfdruck wird dann der Faden abgeschnitten. Als sehr praktische Eigenschaften sind mir außerdem noch zwei Dinge aufgefallen: Die Möglichkeit des Seitwärtsnähens. Wenn man also mal eine kniffelige Naht hat, muss man nicht den Stoff drehen, sondern einen weiteren Knopf drücken – und die Nähmaschine näht tatsächlich seitwärts weiter. Und: die absolute Knopflochautomatik. Man spannt den Knopf in den vorgesehenen Knopflochfuß ein - die Nähmaschine misst dann automatisch die Länge des Knopfes und näht das passende Knopfloch fast von allein.

Dieser Nähspaß ist als UVP für 1599 € zu haben – im Internet habe ich aber auch noch ein paar günstigere Angebote gefunden. Trotzdem hatte ich bei der Vorführung der Maschine ein komisches Bauchgefühl: Was mir nicht gefallen hat, war das Nähgeräusch. Nach meiner alten, sehr lauten Privileg, habe ich mir das Geräusch einer neuen Nähmaschine um Meilen angenehmer vorgestellt. Zwar näht die Brother nicht wirklich laut, aber in meinen Ohren irgendwie „klapprig“. Und mit den Nähten war ich auch nicht 100%ig zufrieden - dafür, dass es ansonsten so eine Hightechmaschine ist. Sie waren teilweise unpräzise, der Geradstich hatte, je nach Stoff, ab und zu mal eine kleine Zacke drin (ich bin bei sowas aber auch sehr streng).

Das Nähgeräusch und die Stichqualität würden mit der Verarbeitungs-Art der Brother-Maschine zusammenhängen, erklärte mir dann die Verkaufsdame aus dem zweiten Nähmaschinen-Geschäft, das ich ein paar Tage später besuchte. Das „Klappern“ käme daher, dass bei den meisten modernen Nähmaschinen der Unterfaden, der nicht mehr auf Metall-, sondern auf leichte Plastikspulen gespult sei, flach unter dem Nähfüßchen liege. Bei den modernen Pfaff-Maschinen sei dies ähnlich. Um mir ein Gegenbeispiel zu zeigen, führte sie mir eine Bernina-Maschine vor. Bei dieser Marke liegt die Unterfadenspule, die hier aus Metall ist, nämlich ganz nach altem Stil unsichtbar, aber senkrecht, in einer komplexen Metallfassung unterhalb des Nähfüßchens.

Und siehe da, die Maschine schnurrte wie eine Katze. Ich muss sagen, das Nähgeräusch und die Stichqualität der Bernina haben mich sofort überzeugt. Ich hatte das Gefühl, dass hier eine viel hochwertigere Maschine näht – obwohl die Bernina, die ich getestet habe, weitaus weniger moderne Features hatte als die Brother.

Nach ein paar Tagen Bedenkzeit habe ich mir dann tatsächlich eine Bernina gekauft, eine 350 PE, die preislich nicht sehr viel unter der von mir getesteten Brother liegt. Für mich sind die hochwertige Verarbeitungart der Nähmaschine und eine exakte Stichqualität einfach wichtig. Das ist aber vielleicht auch Typensache. Ich ärgere mich eher über eine krumme Naht als darüber, dass ich den Faden notfalls manuell einfädeln muss. Ok, die Bernina hat eine Einfädelhilfe – die ist aber tatsächlich nicht so komfortabel wie der Knopfdruck bei Brother. Was mich auch überzeugt hat, war noch eine Information der netten Verkaufsdame: Bernina liefert (relativ schnell) Ersatzteile auch sehr alter Maschinen, weil die wichtigsten Stücke dieser Maschinen seit Jahrzehnten gleich sind. Bei Brother hingegen gibt es Ersatzteile nach 10 bis 15 Jahren nicht mehr, dann gilt die Maschine als veraltet. Man könnte natürlich auch sagen, Bernina ist sehr konservativ. Das stimmt. Aber das finde ich bei Nähmaschinen eigentlich ganz sympathisch. Außerdem gibt ja auch Bernina-Maschinen, die feature-mäßig auf dem gleichen Stand sind wie die von mir getestete Brother-Maschine. Die sind mir aber mit drei- bis neuntausend Euro, zumindest momentan, einfach zu teuer. Ein wenig hinterhertrauern werde ich wohl der Möglichkeit des Seitwärtsnähens. Aber wie die Dame im Nähladen ganz unverblümt sagte: „Eine Nähmaschine, die in jeder Hinsicht perfekt ist, gibt es nicht."

Glücklich mit meinem Einkauf ;)
Frisch ausgepackt und noch nicht angeschlossen
Das wesentliche Zubehör: Nicht viel, aber hochwertig. Besonders überzeugend fand ich den metallischen Knopflochfuß - der ist nämlich bei den meisten Marken aus Plastik
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by @ohchiffon

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