Ein Sommerkleid ohne Schnittmuster nähen

Into the wild

"Into the wild" passt diesmal nicht nur zu den Tragefotos, sondern auch zur Umsetzungsmethode dieses Projekts. Nachdem ich vor ca 2 Wochen auf Instagram ein Bild von einem ähnlichen Kleid gesehen hatte, war mir sofort klar: Dieses Kleid kann ich ganz einfach nachnähen, und zwar ohne Schnittmuster. Denn es besteht einfach nur aus Stoff-Rechtecken (und einem Trapez) und erhält seine Form durch zwei Gummizüge. Einen Tag später habe ich begonnen zu nähen. Es hat tatsächlich gut funktioniert und relativ spontan habe ich jetzt für euch die Anleitung dazu gebastelt.

An einem Anleitungsstil muss ich übrigens noch arbeiten. Ich habe das noch nicht oft gemacht und festgestellt: Eine Anleitung ist nicht einfach eine Anleitung, da kommt es sehr auf die Präsentation an. Ich gehe beim Nähen manchmal eher experimentell-kreativ als strukturiert vor, aber ich habe mir Mühe gegeben, hier alles klar aufzuschlüsseln.

Ihr braucht:

1,30 m Stoff bei einer Stoffbreite von 150 cm

ein Gummiband, 7 cm breit, das um euren oberen Burstkorb passen sollte

ein Gummiband, 8,5 cm breit, das um eure Taille passen sollte

Nähgarn, Schere, Sicherheitsnadel

1. Zuschneiden:

Alle Teile werden doppelt zugeschnitten (der Stoff liegt zur Hälfte gefaltet rechts auf rechts), es gibt keinen Unterschied zwischen vorne und hinten.

Oberteil:

Messt zunächst die breiteste Stelle eurer Oberweite aus (beim mir waren es 90 cm). Diese Zahl teilt ihr durch zwei, weil ihr ja immer alles doppelt zuschneidet und gebt dann 5 cm hinzu sowie die Nahtzugabe. Das Schnitteil des Oberteils ist bei mir also 45 cm + 5cm + 1,5 cm Nahtzugabe (NZ) an jeder Seite, also 53 cm breit. Die Länge des Oberteils richtet sich nach eurer Körpergröße, ich habe 26 cm + NZ genommen und das müsste erstmal passen, außer ihr seid sehr klein oder sehr groß. Im Zweifelsfall eher länger zuschneiden, ihr könnt auch später noch kürzen. Die Nahtzugaben sind sehr wichtig, weil sie später die Tunnelzüge für die Gummibänder werden.

Obere Rüsche:

Für die obere Rüsche nehmt ihr die Oberteilweite ohne NZ x 1,5, also bei 45 cm x 1,5 = 75 cm, die Rüschenlänge ist bei mir 8 cm + NZ, aber die Länge ist je nach Geschmack variabel.

Rockteil:

Das Rockteil hat erst einmal die gleiche Weite wie das Oberteil, aber ihr gebt nach unten hin auf JEDER Seite 5 cm hinzu. Dadurch wird der Rock leicht ausgestellt, außerdem passt er dann tendenziell besser über euren Po. Wer eine sehr breite Hüfte hat, sollte vorher probieren, ob er nicht noch mehr Weite nach unten hin zugeben muss. Die Rocklänge ist wieder Geschmackssache, bei mir 62 cm + NZ.

Untere Rüsche:

Die untere Rüsche ist so breit wie der Saum ohne NZ x 1,5, bei mir also 60 x 1,5 = 90 cm

Träger:

Für die Träger habe ich vier Streifen (bzw. zwei Streifen bei doppelter Stofflage) in der Größe 50 x 4 cm zugeschnitten (Nahtzugaben schon enthalten!)

so sieht es aus, wenn alle Teile zugeschnitten sind (hier sind Oberteile und Rockteile jeweils schon an den Seiten zusammengenäht, die untere Rüsche ist schon gerafft)

2. Nähen

Am besten stellt ihr erst Oberteil und Unterteil separat fertig, bevor ihr beide Teile zusammennäht.

Für das Oberteil:

Vorderteil und Rückenteil rechts auf rechts aufeinandersteppen, Nahtzugaben versäubern.

Die Trägerstreifen der Länge nach rechts auf rechts legen, steppen, dann die Nahtzugabe zurückschneiden und (mit einer Wendenadel) wenden. Die Träger sollten am Ende ca 1 cm breit sein.

An den Rüschen die Seitennähte steppen. Dann den Rüschensaum mit einem Rollsaum versäubern, den oberen Rand auf Oberteilweite einreihen.

Jeden Träger je vorne und hinten an den oberen Rand, ca 12 cm neben der Seitennaht des Oberteils, an die linke Stoffseite heften. Die eingereihte Rüsche rechts auf links darüber legen. So sollte das Oberteil vor dem Nähen aussehen:

Die Rüsche feststeppen, Nahtzugabe zurückschneiden. Dann die Rüsche nach außen wenden, so dass sie jetzt links auf rechts liegt. Bügeln und 1 cm breit feststeppen, am Ende der Naht ein Stück offen lassen. Durch den 1 cm breiten Tunnel, der unter der Rüsche entstanden ist, wird jetzt das 7 cm breite Gummiband gezogen. Gummiband so fest ziehen, dass das Oberteil gut über der Brust sitzt (Anprobe), dann die Enden des Gummis zusammennähen und die Öffnung zusteppen.

Für das Rockteil:

Seitennähte der Rockteile steppen und Nahtzugaben versäubern.

An den Rüschen die Seitennähte steppen. Dann den Rüschensaum mit einem Rollsaum versäubern, den oberen Rand auf Saumweite einreihen.

Rüsche rechts auf rechts an den Saum steppen.

So sieht es aus, bevor die Rüsche an den Saum gesteppt wird.

Das Oberteil rechts auf rechts auf das Unterteil stecken, die Seitennähte treffen aufeinander. Am besten so noch eine Anprobe machen und grob die Länge des Oberteiles sowie des Kleides kontrollieren.

Anschließend Ober- und Unterteil aufeinandersteppen, dabei knapp 2 cm Nahtzugabe lassen. Die Nahtzugaben zusammen versäubern und nach oben legen, ca 1,2 cm breit feststeppen, am Ende der Naht eine kleine Öffnung für das Gummiband lassen. Gummiband durchziehen und so fest ziehen, dass das Kleid an der Taille gut sitzt. Dann die Gummibandenden zusammensteppen und die Nahtöffnung zunähen.

Schließlich könnt ihr noch die Träger auf die gewünschte Länge kürzen und am Ende eines jeden Trägers einen kleinen Knoten einknoten, damit nichts ausfranst.

Fertig ist das neue Sommerkleid!

P.S.: Ich trage einen schwarzen BH mit Trägern unter dem Kleid, das geht also, wenn die Farbe passt!

Mein Outfit:

Leokleid: selbstgenäht

Tasche: Heine

Schuhe: Converse

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by @ohchiffon

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