Korsika: Ein kleiner Reisebericht

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Hohe Berge und schroffe Felsen, aber auch weiße Sandstrände und seichte Buchten. Die unterschiedlichsten Landschaften liegen auf Korsika nicht weit voneinander entfernt. Mit zwei kleinen Kindern sind wir zwar nicht viel gewandert - trotzdem haben wir die riesigen Wälder und schmalen Täler bewundert. Wir waren im Bergfluss baden. Und haben am gleichen Tag einen Abendspaziergang am Strand gemacht.

Nachdem die Fähre am frühen Morgen in Bastia angelegt hat, spazieren wir durch den südländisch anmutenden Hafen mit den vielen Palmen und ich habe ich fast vergessen, dass diese Mittelmeerinsel zu Frankreich gehört. Es fällt mir wieder ein, als wir feststellen, dass die meisten Geschäfte und Restaurants geschlossen sind. Es ist der 14. Juli, Frankreichs wichtigster Nationalfeiertag. Eine offene Bar in Hafennähe finden wir schließlich doch, in der wir ein „Petit déjeuner“ bestellen können. Ich frage mich kurz, ob die Inhaber sich eher als rebellische Korsen oder als wirtschaftlich orientierte Franzosen verstehen, kann aber aus den Gesichtern der freundlichen Bedienung nichts ablesen.

Abseits der Städte ist auf Korsika das Campen die Hauptdisziplin der Touristen – und die der vielen Franzosen, die vom Festland auf ihre Insel kommen. Wir haben uns einen Campingplatz an der Ostküste ausgesucht. Hier stehen die Zelte und Wohnwagen in einem großen, schattigen Wald von Korkeichen, das Meer ist in unmittelbarer Nähe, hinter den Dünen liegt ein großer Kinderspielplatz. Das Zentrum des Campingplatzes hat beinahe das Flair eines Luxushotels. Der große Pool-Bereich (mit Bergblick!) hat drei unterschiedlichen Schwimmbecken, darum reihen sich Liegestühle und weiße Sonnenschirme, in der Bar nebenan kann man Eis kaufen und frische Crêpes bestellen. Weil ich tagsüber mit unseren Kindern meistens am Planschbecken sitze, freue ich mich über den Fitnessraum auf der anderen Seite des Pools.

Trotz dieser Vier-Sterne-Ausstattung sind die Camper hier unkompliziert und hilfsbereit. Weil unser nächster Stromanschluss bereits belegt ist, leiht uns der Nachbar einen Verteiler. Nach zwei Tagen grüßen uns in den Waschräumen alle wie alte Bekannte. Auch das Personal ist freundlich und engagiert. Aber auch sehr französisch. Mit Englisch kann man sich zwar notfalls verständigen, aber keine Freundschaft mit dem netten Barkeeper schließen. Und nicht am Animationsprogramm teilnehmen. Tagsüber gibt es Aquaqymnastik, Wasserballturniere und Kinderbetreuung. Abends packen die Camper ihre knitterfreien Hemden und Kleider aus den Rucksäcken und gehen zum Karaokeabend oder in die Open-Air-Disco.

Wem das alles zuviel ist, der flüchtet sich am besten in das nur wenige Kilometer entfernte Gebirge. Hier kann man wandern, Kajak fahren oder einfach nur den Ausblick genießen. Wir fahren zum Baden an den Bergfluss Solenzara, der wunderbar klar ist und einen langsamen Flusslauf hat. Die Kinder planschen in Ufernähe und spielen mit den vielen Kieselsteinen. In der Mitte unserer Flussbadestelle gibt es eine tiefe Gumpe, in die man von einer gekennzeichneten Stelle am darüber liegenden Felsen hinein springen kann.

Zwei Tage später besuchen wir das im Landesinneren gelegene Städtchen Corte. Für einen Museumsbesuch sind unsere Kinder noch zu klein. Dafür klettern wir zum Belvedere hinauf, um einen Blick auf die umliegenden Berge und in die Täler zu werfen. Viele Reiseführer empfehlen, am Bahnhof Corte in die Eisenbahn einzusteigen und noch tiefer in die Bergwelt hinein zu fahren, was wir aus Zeitgründen aber nicht geschafft haben.

Während die Küste im Westen und Süden der Insel oft felsig ist, sind die Strände an der Ostküste von Korsika eben und sandig - für Familien mit kleinen Kindern also ideal. Im Südosten gibt es zudem viele schöne Buchten. Wir haben einen Ausflug in die Bucht von Santa Giulia gemacht. Dort ist der Sand noch heller und feiner als am Strand unseres Campingplatzes, das Meer türkisfarben und über lange Strecken nur einen halben Meter tief. Allerdings ist der Strand auch eine „In-Location“ der Insel, weshalb man für eine Orangina an der Bar gleich drei Euro zahlen muss.

Abends kochen wir mit dem Campingkocher einfache Gerichte oder bestellen im Restaurant Pizza, die machmal so gut ist wie in Italien, und Pietra, das korsische Bier. Wir probieren korsischen Käse und korsische Kekse, die es überall in riesiger Auswahl gibt. Das Frühstück ist auf Korsika sehr französisch. In der Bar unseres Campingplatzes gibt es morgens frische Baguettes, Croissants und Pain au Chocolat. Nur eines habe ich auf Korsika vermisst: Latte Macchiato. Den gab es dann erst wieder auf der Fähre nach Italien.

Ansicht von Corte
Santa Giulia
Cappuccino gibt es, Latte Macchiato nicht
Baden im Fluss Solenzara
Kinderspielplatz mit Meerblick
Unser Zelt bei Nacht
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by @ohchiffon

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