Ein Sportoutift selber nähen

Sporty orange

Was motiviert uns zum Sport? Natürlich die Aussicht darauf, wieder fitter und stärker zu sein. Aber bestimmt auch: ein selbstgenähtes SportoutfitI Denn wenn man sich damit schon die Mühe gemacht hat, möchte man es ja auch möglichst oft tragen! Außerdem habe ich seit Beginn des Jahres eine Overlockmaschine und wollte damit eine neue Herausforderung wagen. Vor dem Nähen aber stand die Entscheidung: Welche Art von Sportoutfit möchte ich eigentlich haben? Und: Wo finde ich dafür die passenden Schnittmuster?

Erst die Sportart, dann das Outfit

Was ich ziemlich sicher wusste: Ich wollte kein klassisches Yoga-Outfit nähen, weil ich zu dieser Sportart – zumindest bislang – irgendwie keinen Bezug hatte. Ich komme aus einer sportliche Familie und habe dementsprechend schon als Kind und Jugendliche viel Sport gemacht, aber kein Yoga (oder Ähnliches, wie Ballett oder Turnen). Sondern: Judo, Schwimmen, Kanu fahren, und die meiste Zeit: Leichtathletik. Davon übrig geblieben ist später das Laufen. Bis in meine erste Schwangerschaft hinein (ca. Herbst 2010) war ich regelmäßig joggen, 2009 bin ich noch beim Münchner Stadtlauf mitgelaufen. Anschließend folgte ein relativ langes Sport-Tief. Hochschwanger konnte ich mich nicht mehr gut bewegen und in den (bei mir relativ langen) Stillzeiten hatte ich immer das Gefühl, keine Energie für den Sport übrig zu haben, weil alle Power in die Milch ging. Zwar saß ich nie wochenlang still, habe Spaziergänge und nach jedem Kind einen Rückbildungskurs gemacht – aber so richtig Sport war das eben auch nicht.

Das Ende der letzten Stillzeit war in diesem März ein Jahr her, so langsam hatte ich das Gefühl, mich von den Baby-Anstrengungen erholt zu haben und ich wollte wieder mit einem regelmäßigen Sportprogramm beginnen. Ich habe einiges gelesen und ausprobiert und mich am Ende für das „Post-Pregnancy“- Programm von Kesley Wells entschieden (hier gibt's ein paar Infos).

Auch wenn meine Schwangerschaft schon zwei Jahre her ist – dieses Programm ist meiner Ansicht nach ideal für Mütter, es beginnt ganz easy und steigert sich langsam, zusammen mit dem gesamten Körper wird auch der Beckenboden kontinuierlich gestärkt, so dass man am Ende des Programms wieder fit sein sollte für etwas „heftigere“ Sportarten.

Inspiration

Ich brauchte also ein normales Fitness-Outfit, mit dem ich alle Kraft- und Dehnungsübungen sowie die im Programm vorgesehenen Ausdauer-Einheiten (leichtes Laufen, Walken, Radfahren...) ausüben konnte. Bevor ich nach Schnittmustern gesucht habe, habe ich mich im Netz inspirieren lassen, um mir über meine Vorstellungen klarer zu werden. Der Onlineshop Planet Sports bietet beispielsweise eine sehr schöne und übersichtliche Auswahl an Sport-Leggings. Ich habe festgestellt: Absolut angesagt sind bei diesen Hosen schräge Teilungsnähte sowie ein gewisser Material-Mix, solche Details wollte ich auch gerne in meine Sporttights einbauen.

Als Oberteil wollte ich ein Top oder T-Shirt nähen. Sehr trendy ist es anscheinend gerade, Sport BHs und Tanktops im Layering-Look zu tragen. Das habe ich bei meinem Outfit schlussendlich nicht ganz hinbekommen, weil beide Teile zu ähnliche Formen haben… Interessant fand ich bei meiner Recherche aber, dass bei vielen Tanktops neuerdings beschriftete Gummibänder im Trägerbereich eingenäht sind (z.B. hier). Das habe ich auch gemacht, nachdem ich dieses tolle Gummiband bei Alfatex entdeckt hatte.

 

Schnittmuster

Sport-Schnittmuster habe ich bei ganz vielen verschiedenen Anbietern gefunden, zum Beispiel bei Kibadoo, Simplicity (richtig tolle Schnitte, zumindest auf den ersten Blick),bei Jalie (ist spezialisiert auf Sport-Schnittmuster), Pattydoo, bei Stoff&Stil oder Burda Style.

Wie es bei mir häufig der Fall ist, habe ich mich letztendlich wieder für Burda entschieden. Das hat gar nichts nichts damit zu tun, dass ich die Schnittmuster besser finde. Aber ich habe eben mit Burda angefangen zu nähen und im Laufe der Jahre so viele Burda-Hefte gesammelt, dass ich mir denke: Warum sollte ich mir für 10 Euro ein Schnittmuster kaufen, wenn ich ein fast identisches (aus der Burda) zu Hause liegen habe? Also wird erst einmal das getestet! Gegebenenfalls kann ich danach immer noch etwas von anderen Anbietern kaufen.

Die Sportschnitte bei Burda sind relativ leicht zu finden, entweder befinden sie sich in den Januar-Heften (von wegen neue Vorsätze am Jahresanfang und so…) oder in den Juni-Heften (lockere Shorts und kurze Tops für den Hochsommer). Ich habe zwei Modelle aus dem Januarheft 2017 genäht, diese Laufhose und dieses Oberteil.

Stoffauswahl

Hier habe ich mich für eine Kombination aus Gymnastikstoffen (ähnlich wie Badeanzugstoff) und Netzstoffen entschieden. Gymnastikstoffe sind schnelltrocknend, Netzstoffe lassen aufgrund ihrer Struktur Feuchtigkeit durch. Beide Stoffe sorgen also dafür, dass die Klamotten beim Schwitzen nicht schwer werden oder an der Haut kleben. Bei Akivstoffe.de gibt es auch eine große Auswahl an Coolmax-Stoffen, die eine ähnliche Wirkung haben. Allerdings muss man bei der Bestellung darauf achten, wie elastisch diese Stoffe im Einzelnen sind, nicht immer handelt es sich um Jersey. Gerne hätte ich einen Stoff bestellt, der so fein, durchsichtig und zugleich elastisch ist wie bei dieser Leggings von Planet Sports, habe ich aber leider nicht gefunden.

 

 

Materialien: Netzstoffe (links unten) von Aktivstoffe.de, Gymnastikstoffe (rechts) von Stoff&Stil, Gummiband von Alfatex und eine Skizze

Verarbeitung und Nähte

Sportklamotten haben oft breite, auffällige Nähte. Ich habe ausprobiert, wie ich so etwas hinbekommen könnte und fand, dass die Flatlocknaht der Overlock diesen am nächsten kommt. Allerdings ist eine Flatlocknaht nicht so strapazierfähig wie eine normale Overlocknaht. Deshalb habe ich schließlich mit einer Kombination aus Nähmaschinen-Nähten (Zickzackstich) und der Flatlocknaht (zur Deko) gearbeitet, an weniger auffälligen Stellen habe ich „normale“ Overlocknähte genäht. Wahrscheinlich wäre der vierfädige Elastikstich hier am sichersten gewesen, ich muss zugeben, dass ich nicht genug Garnrollen in Orange und Schwarz hatte und daher mit dem dreifädigen Overlockstich genäht habe.

Die Burda-Schnittmuster waren recht gut umzusetzen. Beim Oberteil habe ich den Reißverschluss weggelassen, weil ich dachte, dieser würde beim Sport nur stören, allerdings ist es jetzt tatsächlich etwas eng beim Über-den-Kopf-Ziehen. Also nächstes mal vielleicht doch mit Reißverschluss. Vorgesehen ist in der Anleitung auch, dass das obere Vorderteil mit dem gleichen Stoff gedoppelt wird (anstelle eines Besatzes). Ich habe aber für die Doppelung Netzstoff verwendet, damit das Teil nicht zu dick und warm wird. Einziger Nachteil: Der Netzstoff ist weniger elastisch als der Gymnastikstoff und hat deshalb im getragenen Zustand nach oben gezogen, weshalb ich (aufgrund der mittleren Teilungsnaht) erst eine dicke Stofffalte aus Gymnastikstoff im Oberteil hatte, die ich nur mit etwas Friemelei, Kürzen und enger-Nähen wieder wegbekommen habe. Man sollte also das Netzfutter am besten ein paar Zentimeter länger zuschneiden!

Bei der Hose habe ich die vorgesehenen Teilungsnähte weggelassen und dafür eigene in der unteren Beinhälfte gebastelt. Meine Vorstellung war, dass durch den Netzstoff am unteren Hosenbein die Waden eventuell besser gekühlt werden könnten, ist aber nicht der Fall. Beide Stoffe sind etwa gleich warm. Aber die Teilungsnaht musste natürlich auch aus modischen Gründen her (auch wenn sie, wie ich finde, nicht so wahnsinnig auffällt). Zur Passform der Hose: Ich habe sie besonders im Oberschenkel- und Hüftbereich etwas enger genäht, da hätte sonst zuviel Stoff "geschlabbert".

Fazit

Insgesamt bin ich mit meinem neuen Sportoutfit zufrieden, es ist auf jeden Fall bequem und sieht sportlich aus. Für den Sommer ist die Leggings aber etwas warm, weshalb ich mir eventuell doch noch Shorts nähen werde.

Mein Outfit

Top und Hose: selbstgenäht nach Burda Style 01/2017, Top und Laufhose

Stoffverlinkungen: schwarzer Gymnastikstoff, orangener Gymnastikstoff, schwarzer blickdichter Netzstoff, orangener/lachsfarbener Netzstoff

Sport-BH: Adidas

Schuhe und Kappe: Nike

Dieser Beitag ist verlinkt zum MeMadeMittwoch zu AfterWorkSewing und zu SewLaLA!

Dieser Blogbeitrag entstand mit freundlicher Unterstützung von Planet Sports!

 

 

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