Stoffrausch all'italiana

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Das Städtchen Haar, einige Kliometer östlich von München, ist nicht gerade bekannt für seine Größe oder Schönheit. Für Modebegeisterte und Hobbyschneider lohnt sich aber ein Besuch. Denn nur wenige Meter vom Bahnhof entfernt türmen sich in einem verwunschenen alten Bauernhaus edle italienische Designerstoffe.

Jihad Lamaa trägt heute ein schwarzes Jacket, dunkle Jeans und ein elegantes rosa Hemd. Das Hemd hat er sich schneidern lassen und den Stoff dazu aus seinem großen Fundus selbst ausgewählt. Der junge Mann ist Inhaber des "L.T.S. Textilhandel" in Haar, die Abkürzung steht für "Lamaa.Textil.Stoffe". Das Geschäft ist in einem alten Bauernhaus untergebracht. Zwischen dicken Giebeln, unter schmalen Holztreppen und auf knatschenden Dielen türmen sich die Stoffrollen. Auf vier Etagen kommen dabei rund 500 Kilometer Stoff zusammen, fast immer von edelster Qualität.

In der obersten Etage Wollstoffe wie Angora, Cashmere oder Schurwolle, im zweiten Stock Seide in allen denkbaren Ausführungen, im Erdgeschoss vor allem Baumwollstoffe, im Untergeschoss Kurzwaren und Futterstoffe. Die Stoffe kämen fast alle aus italienischen Webereien, sagt Lamaa: "Sie wurden für Marken wie Escada, Ungaro oder Valentino produziert." L.T.S. bekomme die Designerstoffe günstiger, denn sie seien aus vergangenen Saisons, aus Über- oder Fehlproduktionen." Das heißt nicht, dass sie fehlerhaft sind, sondern nur, dass sie dem Designer nicht gepasst haben", erklärt Lamaa, "zum Beispiel, weil der Braunton eine Nucance zu hell war." Und weil Lamaa, der das Geschäft von seinem Vater übernommen hat, zudem in großen Mengen ankauft, kommen für die Kunden am Ende Traumpreise wie 12 Euro pro Meter für reine Seide oder 15 Euro pro Meter für Schurwolle zustande.

Das Shoppen bei L.T.S. macht übrigens vor Ort mehr Spaß als im Netz. Es gibt zwar neuerdings einen Onlineshop, dort wird aber nur ein Bruchteil des eigentlichen Sortiments angeboten. Vor Ort ist es möglich, Stoffproben mitzunehmen und später per Mail oder Telefon zu bestellen. "Einige Kunden sind überwältigt von der großen Auswahl", sagt Lamaa, für sie sei es wichtig, erst einmal alles sacken zu lassen.

Wer nach dem Besuch bei L.T.S. eine kleine Stärkung benötigt, sollte diese im "Eiscafé Firenze" am Bahnhof Haar zu sich nehmen. Das Café wirkt von außen eher unscheinbar, vielleicht sogar ein bisschen altbacken, es wird aber von waschechten Italienern betrieben und die Qualität der Speisen lässt nichts zu wünschen übrig. Hier gibt es original italienischen Cappuccino, Gourmet-Windbeutel mit Vanillecreme sowie allerbestes Eis.

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