White Ruffles

   |    Fashion Sewing

Was ich an Modetrends so spannend finde, ist, dass sie etwas über unsere Gesellschaft aussagen. Der Designer ist ein Künstler, der den Zeitgeiste einfängt und ihm in seinen modischen Kreationen Ausdruck verleiht. Manchmal trifft er damit einen Nerv. Die Leute fühlen sich angesprochen. Sie kaufen seine Kleidung oder machen sie nach. Und schon ist ein neuer Trend entstanden.

Das ist natürlich etwas vereinfacht dargestellt. Der Designer denkt sich nämlich selten etwas richtig Neues aus. Er rückt Dinge, die schonmal da waren, in ein neues Licht, müsste man vielleicht eher sagen. Unsere Mode besteht ja weniger aus wirklich neuen Trends, sondern meistens aus Modezitaten. Alles war schonmal da.

Auch mein heutiges Outift ist so ein Modezitat. Ein bisschen Hippie, ein bisschen Siebziger, ein bisschen Landmädchen. Das Modell sei angelehnt an die ehemalige Bauernbluse, schreibt die Burda zu dem Blusenschnitt (hier zu finden). Mein Mann meinte, der Ausschnitt erinnere ihn an ein Messdienergewand. Wobei das durchaus sein kann. Denn Kirchenleute und Bauern saßen früher zusammen im Dorf und haben sich auch in modischer Hinsicht inspiriert. Dabei hat sicherlich auch der praktische Aspekt eine Rolle gespielt, denn ein Kleidungsstück mit so einem Ausschnitt muss man sich einfach nur überwerfen, es braucht keinen Verschluss. 

Meine Mama hat wiederum erzählt, so ein Oberteil habe sie von ihrer Mutter zu ihrer ersten Schwangerschaft genäht bekommen. Jedem fiel jedenfalls etwas zu der Bluse ein. Und auch diesmal fand ich den Kommentar nicht unberechtigt, denn der weite Schnitt und die Rüschen können ein Bäuchlein ziemlich gut kaschieren. Mir ist das schon fast ein bisschen zuviel Schwangerschafts-Gefühl, denn das hatte ich ja gerade erst.

Aber ich mag an dieser Rüschenbluse das Verspielte. Das mögen andere scheinbar auch, denn Rüschen und Volants sind in diesem Sommer ein Riesentrend (besonders in Weiß!), überall lese ich gerade "white ruffles". Vielleicht ist das die Sehnsucht nach irgendeiner Form von Freiheit oder Mädchenhaftigkeit. Einen Trend zu analysieren, das ist nochmal ein Kapitel für sich. Nachnähen geht da fast schneller. Eine Stoffbahn einreihen und annähen, so kann man fast jedes Kleidungsstück mit Rüschen versehen. Auch diese Bluse war schnell genäht. Sie ist sehr luftig, und daher eigentlich eher was für den Hochsommer als für den Frühling. Ich werde sie also sicher noch öfter tragen, wenn es etwas wärmer und trockener wird. Kombiniert habe ich sie mit Schlaghose, Strohtasche und Sandalen.

Rüschenbluse: Selbstgenäht nach Modell 119, Burda 03/2014

Schlagjeans von Zara (alt)

Strohtasche von Mint&Berry

Sandalen von Tamaris

Und jetzt schaue ich mir an, welche Trends andere Hobbyschneiderinnen nachgenäht haben.

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by @ohchiffon

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